Von Mindestlöhnen, Spargel und Super-Samstagen.....

Es war im letzten Frühjahr, bereits kurz nachdem die große Koalition die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Höhe von € 8,50 zum 01.01.2015 beschlossen hatte. Da durfte ich im Autoradio den Ausführungen eines Vertreters eines Verbands von bayrischen Spargelerzeugern lauschen.

Der gute Mann war außer sich und warnte die Hörer eindringlich vor den schädlichen Folgen dieser Entscheidung. Er rechne bereits 2015 mit einer Preissteigerung von „mindestens 20 Cent am Kilo Spargel“ allein als Folge der neuen Zwangslöhne.

Na ja, dachte ich für mich. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von ca. 1,1 kg Frischspargel pro Kopf, ist das tatsächlich eine Mehrbelastung von fast 90 Cent – für eine vierköpfige Familie pro Jahr. Da hat der Mann doch gut daran getan, uns früh genug zu warnen – jetzt können wir wenigstens rechtzeitig disponieren!

 

Wo ist der Unterschied zu Sklaven im alten Rom?

 

Inzwischen haben mir auch unsere Salat- und Gurkenbauern ihr Leid geklagt. Auch sie fürchten um ihre Geschäfte, wenn sie ihren – vorwiegend rumänischen – Saisonkräften ab sofort € 8,50 die Stunde zahlen müssen.

Nur zur Erinnerung: € 8,50 pro Stunde ergibt bei einer 40-Stunden-Woche einen monatlichen Bruttolohn von stolzen € 1470,50. Einem verheirateten Mann mit drei Kindern bleiben davon satte 1186 Euro. Für eine Arbeit von der selbst die Bauern einräumen, dass sie körperlich „schon recht hart“ ist. Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen schon mal 10 Stunden am Tag bei Hitze, Regen oder Kälte Spargel gestochen, Erdbeeren gepflückt oder Gurken geerntet haben. Leicht verdientes Geld ist jedenfalls etwas anderes.

Oft höre ich das Argument, dass 1000 Euro in Rumänien aber „ein ganz schöner Haufen“ wären und die Saisonarbeiter sich daheim Häuser bauen würden.

Aha, denke ich. Das heißt, wir müssen dafür sorgen, dass auch weiterhin genügend, total unterentwickelte Länder in unserer Nachbarschaft existieren, wo die Männer froh sind, wenn sie ihre Familien jedes Jahr für sechs Monate verlassen dürfen, um beim reichen Nachbarn Kartoffel zu klauben. Und wer erntet eigentlich den Spargel in Rumänien? Schließlich sollen die Bauern dort ja so „wettbewerbsfähig“ (also billig) sein, dass sie ihren Spargel an ALDI, LIDL und Hofer verkaufen können.

Also beschäftigen sie keine (teuren) Rumänen, sondern z.B. Moldawier oder Ukrainer. Und das auch nicht für €8,50 pro Stunde sondern für €8,50 pro Tag.  Und so geht es von einem Land zum nächsten.

Ganz am Ende stehen dann die afrikanischen Flüchtlinge auf dem sogenannten „Arbeiterstrich“ in Spanien und arbeiten für eine warme Mahlzeit und vielleicht ein Dach für die Nacht.

Und wo, frage ich Sie, wo genau ist da noch der Unterschied zu den Sklaven im alten Rom? Auch die bekamen von ihren Haltern Kost und Logis. Schließlich sollten sie am nächsten Tag wieder arbeiten können. Gewalt muss sich nicht immer in Fußketten und Peitschen zeigen. Es reicht, wenn man die Existenzangst nutzt, um die Menschen zu erpressen.

 

Der Mindestlohn als Ausweg aus der Abwärtsspirale?

 

Beinahe jeden Freitag muss ich wieder an die Geschichte vom Mann vom Spargelverband denken. Nämlich immer dann, wenn aus dem Radio die penetrante Werbung vom „Super-Lidl“ und seinem „Super-Samstag“ dröhnt.

Es sind nicht nur die Tomaten aus Spanien für 49 Cent/kg. Es ist auch das Schweine-Kotelett, das Kilo für € 1,19, die Jeans für € 9,90 und die Schokolade für 39 Cent.

All diese Preise sind nur möglich, weil irgendwo in der Welt Menschen zu Sklavenlöhnen arbeiten. Gleichzeitig dienen diese Niedrigpreise bei uns wieder dazu, den Mindestlohn möglichst niedrig anzusetzen. Mehr brauchen die Menschen nicht zu verdienen, schließlich können sie ja billig beim Discounter einkaufen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich fühle mich unwohl, wenn ich bei jedem Einkauf darüber nachdenken muss, ob ich mich auf Kosten eines anderen Menschen bereichere. Zumal man ja nie weiß, wann man selber am kürzeren Ende des Hebels sitzen wird.

Der gesetzl. Mindestlohn ist ein erster Schritt um diese negative Entwicklung zu stoppen. Menschen, sollten von ihrer Arbeit menschenwürdig leben können. Und zwar in dem Land, in dem sie die Arbeit erbringen.

Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie demnächst im Supermarkt stehen und denken: „Ich glaube, dass der Spargel letztes Jahr doch mindestens 20 Cent billiger war....“

Herzlichst, Ihr

 



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