Billigbananen – Fluchtursachen aus dem Supermarktregal

 

Krieg und Gewalt werden zurecht am häufigsten genannt, wenn man fragt, warum sich Millionen Menschen, teilweise unter Lebensgefahr und zu Fuß, auf den Weg zu uns nach Mitteleuropa machen.
Daneben geraten andere Ursachen oft aus dem Blick. Zumal ja der sogenannte „Wirtschaftsflüchtling“ ohnehin keinen Asylanspruch hat.
Für zehn Dollar am Tag 12 Stunden lang auf einer Bananenfarm arbeiten, sich die Gesundheit durch giftige Pestizide und unzureichende Schutzkleidung ruinieren und weder für sich selbst noch für die Familie irgendeine Aussicht auf Verbesserung haben – all das ist kein Asylgrund.
Aber glauben wir allen Ernstes, dass die Menschen sich das ewig gefallen lassen werden? Natürlich werden sie sich irgendwann auf den Weg machen. So wie jeder von uns es auch tun würde. Und sie werden versuchen das Elend in Südamerika oder Afrika hinter sich zu lassen und in die gelobten Länder des Nordens, also in die USA bzw. in die EU zu kommen. „Was besseres als den Tod, findest Du überall“ hieß es schon bei den Bremer Stadtmusikanten.

Die Globalisierung ist keine wohltätige Veranstaltung

Viele Menschen glauben, wir würden den Ländern der dritten Welt etwas Gutes tun, wenn wir ihre Produkte kaufen. So würden sie immerhin ein wenig Geld für ihre Produkte bekommen und das sei doch besser als nichts. Wovon die Menschen wohl gelebt haben, bevor der Westen kam und gnadenhalber ihre Produkte gekauft hat?
Die Geschichte des weltweiten Handels ist leider eine Geschichte von Gewalt, Erpressung und Ausbeutung. Die meisten Länder der dritten Welt wurden zuerst mit Gewalt kolonialisiert. Dann wurden ihnen ihre Rohstoffe gestohlen und ihre ursprüngliche Wirtschaftsform zerschlagen. Die Bauern produzieren nicht mehr für den heimischen Bedarf, sondern für die internationalen Märkte. Sie bauen Produkte an, die ausschließlich für den Export bestimmt sind. Die Plantagen gehören entweder gleich amerikanischen oder europäischen Konzernen, oder sie werden von der winzigen lokalen Elite superreicher Großgrundbesitzer kontrolliert, denen ihre internationalen Geschäfte wichtiger sind, als das Wohlergehen der Landsleute.
So konnten diese Länder auch nach der offiziellen „Unabhängigkeit“ weiter wirtschaftlich (und oft auch militärisch) unterdrückt werden.

Und damit zu uns und unserer Branche:

Die Banane kommt in Deutschland und Österreich gleich hinter dem Apfel als zweitbeliebteste Obstsorte. Und das aus gutem Grund: sie ist sehr gesund. Das Fruchtfleisch ist dank der dicken Schale völlig frei von chemischen Rückständen. Sie schmeckt lecker und besonders Kinder lieben sie. Und jetzt kommt das beste: sie ist billiger zu haben, als alles, was hierzulande wächst. Deutlich unter einem Euro pro Kilo werden Bananen inzwischen angeboten.
Und während wir billiges Geld für ein hochwertiges Nahrungsmittel zahlen, zahlen Kleinbauern und Plantagenarbeiter dafür mit ihrer Gesundheit und ihrer Umwelt.
Laut Oxfam-Bericht von 2011 kann – trotz deutlicher Verbesserungen in den letzten Jahren- ein Bananenarbeiter in Ecuador, seine Familie nach wie vor nicht ernähren, obwohl er wöchentlich 48 stunden arbeitet. Er erhält keinen bezahlten Urlaub, ist oft nicht einmal sozialversichert.
Dafür geben in Costa Rica „95 Prozent der Befragten [...] an, dass die Sprühflugzeuge oft auch dann im Einsatz sind, während sie in der Plantage arbeiten. ,Wir bedecken uns mit unseren Hemden, weil der Verwalter der Plantage uns nicht erlaubt, die Felder zu verlassen’, wird ein Arbeiter zitiert“ (Zierul, Sarah; Billig Billiger Banane, München 2015, S. 138).

Pestizide für die Produktivität

Um die Produktivität zu steigern, werden hochgiftige Spritzmittel eingesetzt. Die Bananen werden in riesigen Monokulturen angebaut. Die Sorte „Cavendish“ macht 97% der Anbaumenge aus. Sie ist sehr anfällig gegen Pilzkrankheiten und Wurmbefall der Wurzeln. Auch haben die Schädlinge inzwischen massive Resistenzen gegen die gängigen Chemikalien entwickelt, so dass die Menge immer weiter erhöht werden muss, oder auf andere, noch giftigere Mittel zurückgegriffen wird.
Der Regen spült die Rückstände dann in die Flüsse und verteilt die Gifte. Auf diese Art sind in den großen Anbauregionen Ecuadors, Kolumbiens, Costa Ricas oder Panamas ganze Landstriche chemisch verseucht worden. Teilweise sterben die Fische vor den Küsten, wegen der Gifte, die die Flüsse ins Meer bringen.

Ernteausfälle werden vom Handel nicht bezahlt!

Lösungen?

Glücklicherweise gibt es immer mehr Menschen, denen all das bewusst ist und die für Veränderungen und Verbesserungen kämpfen. Kleinbäuerliche Genossenschaften und Gewerkschaften kämpfen vor Ort für verbesserte Arbeitsbedingungen. Umweltaktivisten in Amerika und bei uns, haben selbst Chiquita zum ökologischen einlenken gezwungen. Und sozial engagierte Organisationen wie Oxfam, Foodwatch oder Bananalink machen Politik und Verbraucher bei uns auf die Missstände aufmerksam.

Auch wir als Fruitique haben unsere Konsequenzen gezogen und bieten seit einiger Zeit keine konventionellen Bananen mehr an. Unsere Standard-Banane wird vom Verein BanaFair aus Ecuador importiert. Sie sind biologisch, ohne Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel erzeugt. Außerdem erhalten die Bauern ein höheres Entgelt. Damit werden vor Ort Infrastrukturmaßnahmen wie Schulen, bessere Häuser und medizinische Versorgung finanziert. Kurz: es wird das Leben für die Bauern lebenswerter gemacht.
Sollte unser Bestand an BanaFair-Bananen einmal nicht ausreichen, greifen wir als zweite Wahl auf biologisch erzeugte Bananen (mit erop. Bio-Siegel) zurück.
Und nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch, bieten wir auch Chiquita-Bananen an. Der ehemals schlimmste US-Konzern Chiquita (wurde inzwischen von einem brasilianischen Obstmulti geschluckt) unterwirft sich nach enormem Protest der Verbraucher inzwischen den Regeln der Rainforest-Alliance, die zwar nicht so konsequent sind, wie die von BanaFair, aber immer noch weit besser, als bei konventionellen Bananen ohne Zertifikat.

Wir gehen diesen Schritt als erster Gastro-Lieferant mit aller Konsequenz, weil wir von der Richtigkeit überzeugt sind. Aufgrund fehlender gesetzlicher Vorgaben, ist freiwilliges Handeln derzeit der einzige Weg um Signale zu setzen und Entwicklungen anzuregen. Wir freuen uns sehr, dass unsere Kunden diesen Weg mit uns zusammen gehen und sind überzeugt, dass letzten Endes alle davon profitieren werden: Verbraucher, Gäste, Wirte, Handel, die Gesellschaft und die Menschen in den Anbauländern.

 

Mit herzlichen Grüßen,

 

Ihr